Wenn Autoren Stimmen hören…

…dann sind es anscheinend häufig die ihrer Romanfiguren. Das hat eine Studie von Literaturwissenschaftlern und Psychologen der Durham University mithilfe der Veranstalter des Edinburgh International Book Festivals herausgefunden. Auf www.psychologie-heute.de ist ein interessanter Artikel über das Phänomen erschienen. So hören und sehen viele Autoren die fiktiven Gestalten und berichten, dass diese häufig ein Eigenleben entwickeln.

Die komplette Studie ist hier zu finden.

Der Deutsche Buchpreis 2020

Am 12. Oktober wird zum 16. Mal der Deutsche Buchpreis verliehen, der den besten deutschsprachigen Roman des Jahres auszeichnet.
Die siebenköpfige Jury, hauptsächlich bestehend aus Literaturredakteur*innen und Buchhändler*innen, hat in der letzten Woche die Longlist bekannt gegeben, d.h. die 20 Romane, die in die engere Auswahl kommen. Dies sind (in alphabetischer Reihenfolge):

• Helena Adler, Die Infantin trägt den Scheitel links (Jung und Jung, Februar 2020)
• Birgit Birnbacher, Ich an meiner Seite (Paul Zsolnay, März 2020)
• Bov Bjerg, Serpentinen (Claassen, Januar 2020)
• Arno Camenisch, Goldene Jahre (Engeler, Mai 2020)
• Roman Ehrlich, Malé (S. Fischer, September 2020)
• Dorothee Elmiger, Aus der Zuckerfabrik (Carl Hanser, August 2020)
• Valerie Fritsch, Herzklappen von Johnson & Johnson (Suhrkamp, Februar 2020)
• Thomas Hettche, Herzfaden (Kiepenheuer & Witsch, September 2020)
• Charles Lewinsky, Der Halbbart (Diogenes, August 2020)
• Deniz Ohde, Streulicht (Suhrkamp, August 2020)
• Leif Randt, Allegro Pastell (Kiepenheuer & Witsch, März 2020)
• Stephan Roiss, Triceratops (Kremayr & Scheriau, August 2020)
• Robert Seethaler, Der letzte Satz (Hanser Berlin, August 2020)
• Eva Sichelschmidt, Bis wieder einer weint (Rowohlt Hundert Augen, Januar 2020)
• Anne Weber, Annette, ein Heldinnenepos (Matthes & Seitz Berlin, Februar 2020)
• Olivia Wenzel, 1000 Serpentinen Angst (S. Fischer, März 2020)
• Frank Witzel, Inniger Schiffbruch (Matthes & Seitz Berlin, Februar 2020)
• Iris Wolff, Die Unschärfe der Welt (Klett-Cotta, August 2020)
• Jens Wonneberger, Mission Pflaumenbaum (Müry Salzmann, Oktober 2019)
• Christine Wunnicke, Die Dame mit der bemalten Hand (Berenberg, August 2020)

Diese Liste wird nun weiter selektiert und am 15. September die Shortlist, bestehend aus sechs Romanen, bekanntgegeben. Die Preisverleihung findet dann am 12. Oktober, am Vorabend der Frankfurter Buchmesse, statt. Wer den Preis entgegennehmen darf, wird erst an diesem Abend verraten. Der oder die Preisträger*in erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalist*innen, die es ebenfalls auf die Shortlist geschafft hatten, erhalten jeweils 2.500 Euro. Aufgrund der aktuellen Coronasituation findet die Verleihung als Livesendung statt und wird aus dem Kaisersaal des Frankfurter Römers übertragen.

Wer mehr über die nominierten Titel wissen möchte, hat diverse Möglichkeiten, sich zu informieren:

  • In vielen Buchhandlungen ist ein kostenloses Lesebuch zur Longlist erhältlich, das Leseproben und Informationen zu den Autoren enthält.
  • Beim Podcast-Radio detektor.fm, gibt es online und in der App Hörproben zu den 20 Titeln der Longlist.
  • Ab Ende August werden auf der Webseite https://www.deutscher-buchpreis.de/ und den Social-Media-Kanälen des deutschen Buchpreises kurze Videoclips erscheinen, die einen ersten Eindruck von den nominierten Romanen und ihren Autor*innen vermitteln.
  • Auch die Buchblogger sind eingebunden: 20 Literaturblogger*innen stellen in den kommenden Wochen unter dem Hashtag #buchpreisbloggen je ein Werk vor. Die Rezensionen finden sich auf der Webseite http://www.deutscher-buchpreis-blog.de und auf den Social-Media-Kanälen des deutschen Buchpreises.
  • Der Podcast http://www.papierstaupodcast.de wird die nominierten Titel ebenfalls vorstellen.

Im letzten Jahr wurde Saša Stanišićs Werk „Herkunft“, erschienen im Verlag Luchterhand, ausgezeichnet.

vorgelesen : „Achtsam Morden“ von Karsten Dusse

Sehr zu empfehlen ist das Buch „Achtsam Morden“ von Karsten Dusse, insbesondere als Hörbuch. Gelesen wird es von Mathias Matschke, der es hervorragend versteht, die handelnden Personen zum Leben zu erwecken. Dafür wurde das Hörbuch sogar mit dem Deutschen Hörbuchpreis 2020 ausgezeichnet.
Protagonist des Romans ist der Anwalt Björn, spezialisiert auf Strafrecht und angestellt in einer größeren Kanzlei. Dort hat er nur einen einzigen Mandanten, und zwar einen „Bäh-Mandanten“. Dieser beschäftigt ihn jedoch schwer: Es handelt sich um den russischstämmigen Kriminellen Dragan, der sein Geld mit Drogen, Waffenhandel, Schmuggel und Prostitution verdient. Nach einem Achtsamkeitskurs, initiiert von seiner unzufriedenen Ehefrau, wendet er die dort gelernten Lektionen konsquent auch im Berufsleben an – von dem er ohnehin mehr hat als Privatleben. Als Orientierung dient ihm hierbei das Buch seines Achtsamkeitslehrers. Für jede Situation findet Björn hier einen passenden Ratschlag und setzt diese konsequent um – auch wenn dies bisweilen zu moralisch sehr zweifelhaften oder sogar kriminellen Ergebnissen führt. So wird Björn seiner Rolle als liebevoller Papi immer besser gerecht, indem er zu einem – nein, nicht etwa kaltblütigen, sondern achtsamen Rechtsanwalt wird, der es schafft, die Lektionen seines Lehrers so anzuwenden, dass sein Gewissen allzeit beruhigt ist. Diese Kombination aus friedlichem Achtsamkeitstraining in Verbindung mit dem kriminellen Milieu, in dem es nicht gerade zimperlich zugeht, führt zu sehr skurrilen Situationen und erheiternden Weisheiten.

Tatort: Literatur

Liegt es an der Corona-Krise oder ist es doch nur eine Sommerpause? Fakt ist: Erst im September wird es einen neuen Tatort im Fernsehen zu sehen geben. Da aber der beliebte Sonntagsabend-Krimi in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert, haben sich die Programmverantwortlichen etwas ausgedacht, damit man der Tradition bis dahin weiterhin frönen kann: Den Wunsch-Tatort. Fans der Serie haben die Möglichkeit online abzustimmen, welche Folge am nächsten Sonntag ausgestrahlt wird. Was das ganze mit Lesen bzw. Literatur zu tun hat? Nun, der erste Tatort, der von den Zuschauern ausgewählt wurde, war „Wenn Frauen Austern essen“. Hier bekommen es die Münchner Ermittler mit Schriftstellerinnen zu tun und müssten sich mit Literatur auseinandersetzen. Wer die Folge verpasst hat, kann sie sich in der ARD Mediathek ansehen.
Mehr Informationen über diesen Tatort gibt es bei Wikipedia.

Über dieses Blog

Wenn man sehr viel liest, ist es vielleicht nahe liegend, ein Buchblog zu starten. Doch nicht nur Bücher faszinieren und fesseln mich, sondern ebenso das Lesen an sich. Daher soll sich in diesem Blog alles um das Lesen drehen, das Wie und Wo, das Was, das Warum und das Wer.

Lesen fasziniert mich. Schon bevor ich in die Schule kam, konnte ich lesen, weil ich meine Familie bei jedem Schriftzug, den ich sah, fragte: „Was steht da?“. Bis heute lese ich alles, was mir unter die Augen kommt, Bücher, Zeitschriften, Zeitungen, Blogs…

Im Literaturstudium waren größtenteils die Inhalte das wichtigste. Dazu stellten sich mir mehr und mehr weitere Fragen, die darüber hinausgingen: Wie lesen ich, woran erinnere ich mich, wie lesen andere, welche Medien gibt es und welche Vorteile bieten sie? Wo liest es sich am besten, was liest sich wie am besten? Wie und warum und welche Inhalte behalte ich, was ich lese?

Und zum Lesen gehört ebenso das Schreiben. Daher kann es sein, dass auch zu diesem Thema der ein oder andere Blogbeitrag erscheint.

Diese Webseite ist ganz frisch und wird sich entwickeln. Wohin, das werden wir sehen. Sicher ist, dass ich hier zunächst alles sammeln möchte, das von einem Thema handelt: Vom Lesen.